Ups!

Wenn man über einem Text brütet und sich kleine Blutstropfen auf der Stirn bilden, weil man ja “gar nix kann”, beziehungsweise alles nicht gut genug erscheint, kann es manchmal helfen, vorsätzlich den größten Schund zu tippen, den man sich nur aus den Hirnwindungen saugen kann.

Wozu das gut sein soll?

Schriftsteller sind mitunter seltsame und häufig hochsensible Zeitgenossen, die härter als irgendjemand sonst mit sich ins Gericht gehen. Alles ist plötzlich Müll: der Plot, das Setting, die Charaktere – alles nix und zur ewigen Verdammnis in der Schublade bestimmt.

Nehme ich mir bewusst vor, gegen alle mir bekannten Regeln zu verstoßen, schmeiße also beispielsweise mit Adjektiven um mich, wie Blumenmädchen beim Auszug des Brautpaars aus der Kirche mit Blüten oder schreibe im Vollbesitz meiner geistigen Fähigkeiten den übelsten Beginn, den ich mir nur vorstellen kann (Es war ein wunderschöner Tag und die Sonne schien freundlich vom wolkenlosen Himmel), kann ich das ja nur dann tun, wenn ich weiß, wie es eigentlich besser ginge. :)

Das heißt nicht, dass ich immer umsetzen kann, was ich theoretisch mal gelernt habe, darum zu wissen, erhöht die Wahrscheinlichkeit jedoch ungemein, dass ich auf gewisse Dinge achte und sie in meinen Texten auch anwende, bzw. ausmerze.

Letzten Endes dient diese Schreibübung nur dem einen Zweck: Mir darüber klar zu werden, was ich alles weiß und mich dadurch neu zu motivieren. Ich kann meinen absichtlich verfassten Schund mitsamt meiner negativen Denkmuster in die Tonne kloppen und voller Zuversicht von vorn beginnen – denn ich weiß und kann es ja besser, vergesse es nur ab und an … ;)

So viele Dinge bleiben unvollendet, eventuell probieren wir sie nicht einmal aus, weil wir Angst haben, uns zu blamieren und alle Welt von unseren vermeintlichen Bildungslücken erfährt.
Vielleicht haben wir aber auch einfach nur viel zu früh ‘gelernt’, dass das, was wir da mit solcher Leidenschaft tun, keine Aussicht auf Erfolg hat und wir uns doch besser mit etwas Bodenständigerem beschäftigen sollten. (Hier gehört jetzt eigentlich so’n Augenroll-Smilie hin …). 

Es ist wichtig, uns unseres eigenen Werts bewusst zu werden und, ungeachtet irgendwelcher destruktiver Kommentare, unseren Weg zu gehen, wie wie er uns richtig erscheint. Es ist nie verkehrt, sich vor Augen zu halten, was man kann – nicht nur in Bezug auf’s Schreiben.

Wir versagen nicht, wir finden höchstens eine weitere Möglichkeit heraus, wie etwas nicht geht. Dem Wahrscheinlichkeitsprinzip nach sollten wir also bemüht sein, möglichst frühzeitig möglichst viele ‚Fehler‘ zu machen. ;)

Wie schon Thomas Alva Edison wusste:

Ich bin nicht entmutigt,
weil jeder als falsch verworfene Versuch
ein weiterer Schritt vorwärts ist.

RMK

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