Die eigene Stimme finden

Die Sprache ist das wichtigste Instrument des Autors und je nachdem, wie präzise sie einzusetzen er in der Lage ist, wird er den Leser in den Bann seiner Geschichte ziehen – oder auch nicht.

Es kann helfen, eigene Vorbilder zu studieren und genau zu schauen, was deren Texte so besonders macht, warum wir ein bestimmtes Buch nicht zur Seite legen können und es uns stattdessen, rücklings im Bett schmökernd, allabendlich auf die Nase knallt, weil wir so lange weiterlesen müssen, bis wir mitsamt unserem dicken Schinken in Händen einschlafen (zumindest für einen kurzen Moment …).

Häufig ist es eine originelle, bildhafte Sprache, die uns fesselt und die zu entwickeln nicht unbedingt die leichteste Aufgabe eines Autors ist. Um ein Gespür dafür zu bekommen, kann es helfen, sich diese besonderen Ausdrücke zu notieren, wenn man ihnen denn mal begegnet. Nicht, um sie anschließend zu kopieren, sondern um unsere Aufmerksamkeit in die gewünschte Richtung zu lenken und irgendwann (erfahrungsgemäß recht bald) „wie von selbst“ immer leichter eigene, kreative Sprachbilder zu finden.

Welchen Eindruck hinterlasse ich wohl bei meinem Leser, wenn ich ihm bereits tausendfach Gelesenes zumute? Formulierungen wie:

  • die rosarote Brille auf der Nase haben
  • den Nagel auf den Kopf treffen
  • Schnee von gestern
  • gespannt sein, wie ein Flitzebogen

… nur eine kleine Auswahl. Kennen wir alle.

Warum muss man denn immer gespannt sein, wie ein Flitzebogen und nicht auch mal wie Reiner Calmunds Hosenträger? Gebe zu, das ist derzeit eines meiner liebsten Bilder und immer, wenn ich in irgendeinem Text „gespannt wie …“ schreibe, denke ich sofort an Calli. Muss aufpassen, nicht selbst ne abgedroschene Phrase draus zu machen.

Man muss sich nur mal im Lidl, Aldi oder sonstwo umhören. Sehr schnell stolpert man über die Eigenarten und Besonderheiten unserer Sprache, gerade, wenn man in Regionen unterwegs ist, die einem nicht so geläufig sind.  Da rutscht man gern mal auf äußerst ungewöhnlichen Sprachperlen aus. Im besten Fall zückt man dann seinen Notizblock und kritzelt das Gehörte schnell auf oder man quatscht sich zwischen Gemüse- und Frischfleischabteilung mal eben ne Sprachnotiz ins Handy, ist ja heutzutage alles kein Problem mehr.

Auch macht es einen Unterschied, wer denn da etwas erzählt.
Ohne einer Berufsgruppe zu nahe treten zu wollen, der Banker wird im Umgang mit seinen Kunden ein anderes Vokabular verwenden, als die Bedienung bei McD, die Sprache der Großmutter wird sich von der ihres Enkels unterscheiden und die Aufgabe eines Autors ist es, sowohl seinen Charakteren eine eigene Sprache zu verleihen, als auch sich selbst.

Kurz zusammengefasst, was beim Finden der eigenen Sprache helfen kann

  • Vorbilder und Klassiker lesen
  • Gespräche belauschen (unterwegs, Talk-Show, etc.)
  • Außergewöhnliche Formulierungen notieren
  • Metaphern verwenden
  • keine Klischees bemühen

Und weil wir grade bei Klischees sind:
Gern mal schreiben, „wie einem der Schnabel gewachsen ist“. ;)

RMK

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s