„Fülle dein Papier mit den Atemzügen deines Herzens.“

William Wordsworth

Hach … Wie poetisch. Sowas liebe ich ja sehr.
Aber was will er uns damit sagen, der gute William?

Na ja, erklärt sich fast von selbst. Das, was uns im Innersten bewegt, werden wir auch entsprechend vermitteln können, wir schreiben authentischer. Frei nach dem Motto eines anderen klugen Herrn:

In dir muss brennen, was du in anderen entzünden willst.

Aurelius Augustinus

Aber will ich das wirklich? Je nachdem, woraus die Atemzüge meines Herzens bestehen, kostet es mich vielleicht ein ganzes Stück Überwindung, darüber zu schreiben und wildfremde (im schlimmsten Fall gar mir bekannte) Menschen daran teilhaben zu lassen.

Es heißt, mit jeder Geschichte, die ein Autor schreibt, offenbart er auch immer etwas von sich selbst. Auch dann, wenn das Thema auf den ersten Blick gar nichts mit ihm zu tun hat.

Irgendeinem seiner Charaktere wird er vielleicht die eigenen Überzeugungen auf den literarischen Leib schreiben, Vorlieben, Abneigungen, lässt sie handeln, wie er handeln würde oder völlig konträr – was auch immer. Als Leser darf man deshalb aber nicht dem Irrglauben aufsitzen, das literarische Ich sei identisch mit dem Ich des Verfassers. Wo genau er zwischen den Zeilen hervorblitzt, das bleibt sein Geheimnis.

Autobiographische Erzählungen sind da schon eine andere Nummer und hier wird sich vermutlich jeder, der solch ein Werk zu verfassen gedenkt, mehrfach überlegen, ob er tatsächlich zu Papier bringen soll, was sein Herz ihm diktiert.

Wenn sich eine Geschichte, eine bestimmte Lebenserfahrung immer wieder zu Wort meldet, weil sie einfach erzählt werden will, kann es allerdings gut sein, dass die nervigen Stimmen im Kopf nicht eher Ruhe geben, bevor man sich in sein Schicksal fügt, ihnen Gehör schenkt und sie niederschreibt. Andere Projekte kommen eh nicht voran, wenn das Hirn woanders ist. Es degradiert seinen Besitzer zum Sekretär. Da machste nix.

Für wen schreibst du?

Bestenfalls immer nur für dich – du teilst es lediglich mit anderen. Schreibst du über das, was dich bewegt, wirst du die Menschen immer auf einer ganz anderen Ebene erreichen können, als würdest du schreiben, wovon du denkst, es sei grade in und würde sicher gern gelesen.
Der Leser kennt den Autor in der Regel zwar nicht persönlich, merkt aber trotzdem, wenn Geschichte und Verfasser nicht harmonieren. Das sind dann solche Aussagen, wie: „Weiß auch nicht, das Thema hat mich zwar interessiert, aber irgendwie hat’s mich nicht gepackt. Da fehlte was.“

Vielleicht wird auch niemand lesen, was dein Herz dir da aus den Fingern hat fließen lassen, aber dann ist es wenigstens raus und du hast wieder Platz für Neues.

RMK

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s