Wer schreiben will, muss lesen.

Kein Kind kommt auf die Welt und plappert sofort los.
Eine ganze Weile lauscht es der Welt, bevor es irgendwann selbst den Mund aufmacht – und was da so rauskommt, entwickelt sich über viele Jahre hinweg immer weiter.

Niemand würde von ihm erwarten, zwischen Nuckelflasche und silikonfreiem Schnuller einen beeindruckenden Schachtelsatz epischen Ausmaßes von sich zu geben. Das kommt später. Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Die Zeit wird’s zeigen.

Mit dem Schreiben ist das ähnlich.

Woher soll es kommen, das Gespür für Sprache, Rhythmik, den Aufbau von Geschichten, wenn man nicht immer wieder liest, wie es geht – oder eben auch nicht geht.

Wer häufig liest, erweitert nebenbei seinen Sprachschatz und kann sich beim Schreiben seiner Geschichte besser in den Kopf des Lesers einfühlen, weil er von sich selbst weiß, was ihn als Leser schon mal enttäuscht oder in den Bann der Worte gezogen hat.

Worauf lege ich selbst Wert, was fesselt mich so an dieses Buch, dass ich nicht mal wahrnehme, wenn die Kinder rufen, der Postbote klingelt oder mir der Hund vor die Füße reihert?

Was dagegen finde ich total beknackt und lässt mich den elenden Schmöker ohne mit der Wimper zu zucken der örtlichen Bücherei spendieren?

Ich bin schon oft dem Tipp begegnet, man solle etwa ein bis zwei Bücher pro Woche lesen, mindestens 65 innerhalb eines Jahres. Zugegeben: Mach ich nicht. Nö. Ist im normalen Alltag auch zeittechnisch kaum möglich. Früher war es das aber, wenn ich mich auf die genaue Zahl meiner gelesenen Bücher auch nicht festlegen will.

Ohne Buch hat man mich jedenfalls nirgends angetroffen und das über etliche Jahre. Ich las aber nicht etwa, weil ich von den jeweiligen Schriftstellern lernen wollte, ich las, weil ich nicht anders konnte. Während andere am See lagen oder sich sonstwo trafen, lag ich für gewöhnlich mit nem Buch im Bett, saß im Garten oder dümpelte lesend in der Badewanne vor mich hin. Es kam, wie es kommen musste: Ich war schon als Kind ein Eremit. Tjanun …

Wer sich für Literatur begeistert und auch gern selbst zu Stift und Papier (bzw. zum Laptop) greift, wird vermutlich auch ohne diesen Tipp gerne lesen und dadurch ein ganz natürliches Verständnis bekommen, für den Stoff, aus dem die dichtesten Charaktere, die schönsten Schauplätze – schlicht: die besten Geschichten gemacht sind.

Mag ja sein, dass manchen Menschen ein gewisses schriftstellerisches Talent in die Wiege gelegt wurde, dennoch denke ich, dass es verkümmert, wenn es nicht gefordert und dadurch gefördert wird.

Wer nicht zuhört, kann nicht verstehen.
Wer nicht liest, kann auch nicht schreiben.

Das ist meine persönliche Überzeugung.

Ich wünsche allen Kindern dieser Welt, dass sie Zugang zu Literatur haben und mit Eltern gesegnet sind, die ihnen von klein auf immer wieder vorlesen. Das ist so viel mehr, als reiner Zeitvertreib. Es regt die Fantasie an, entschleunigt, bildet und verbindet.

Schönen Tag noch!
RMK

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