Wie schreibe ich einen Roman?

Ich will einen Roman schreiben – aber wie?!

Na ja, du solltest dir zunächst ein paar Fragen stellen.


Wer oder was fasziniert dich so sehr, dass du unbedingt darüber schreiben möchtest? Irgendein bestimmtes Erlebnis, Thema, philosophische Grübeleien oder was auch immer.
Vom Alltag einer Seniorin über deine Pilgerfahrt gen Mekka bis zu nem abgedrehten Science-Fiction-Szenario, in welchem du mit deinem Wissen über technische Details glänzen kannst, ist alles drin. Und noch mehr.

Wenn du das weißt, brauchst du eine Figur, die gut zu diesem Thema passt.

Eine, du nicht zufällig durch deine Geschichte dümpelt, sondern aus einem guten Grund – sie benötigt ein Ziel.
Was will sie erreichen, wofür brennt sie, was lässt sie nachts nicht schlafen?

Und warum in drei Teufels Namen ist dieses Ziel so wichtig für deine Figur?
Was steht für sie auf dem Spiel?


Du hast nun also deinen Hauptcharakter,  weißt, welches Ziel er hat und warum es ihm so wichtig ist.

Wäre aber ja langweilig, wenn er es auf direktem Weg erreichen würde und deshalb muss nun irgendwas her, was deinen Protagonisten am Erreichen seines Ziels hindert.

Das kann auch wieder allerhand sein. Äußere Umstände, Menschen, die etwas dagegen haben und ebenfalls für ihre Überzeugung kämpfen, persönliche Probleme (körperliche Einschränkungen, moralische Bedenken, zu wenig Geld), Erpressung, irgendetwas. Mit anderen Worten:

KONFLIKTE müssen her! Innen, außen, überall.

Schick deinen Protagonisten in die Zwickmühle und lass ihn bluten – was für’n Spaß! : )

Um deinen Charakter glaubhaft und sympathisch erscheinen zu lassen (und natürlich, um Spannung zu erzeugen), braucht er dann am besten auch noch irgendeine Schwäche, die ihm im Weg steht – diese sollte er im Laufe der Geschichte möglichst überwinden.

Als Beispiel dienen zig Bücher und Filme, die mit einem vermeintlichen Schwächling beginnen. Zu Beginn weiß dieser oft selbst nicht, welches Potential in ihm steckt. Nur mal aus dem Bereich Fantasy: Harry Potter, Peter Pan, Bilbo & Frodo Beutlin, etc.

Schwächen können sich aber auch ganz anders zeigen.
Herkules‘ Schwäche war eine Frau, Achilles hatte es mit der Ferse zu tun und ganz allerliebst natürlich Muskelprotz B. A. aus der Serie A-Team, der nur unter Zuhilfenahme von Betäubungsmitteln in ein Flugzeug zu bekommen war. Waren wir nicht alle ein klitzekleinwenig in ihn verliebt? ; )

So, jetzt kannst du deinen Charakter auch fast schon ins Abenteuer schicken. Das muss nicht unbedingt mit dem ersten Wort des ersten Kapitels geschehen. Vielleicht hast du eine bestimmte Szene sehr deutlich vor Augen, evtl. sogar den Schluss. Dann schreib ihn doch zuerst, warum nicht?

Von J. K. Rowling ist bekannt, dass sie das Ende des siebten und letzten HP-Bandes viele, viele Jahre in einem Safe liegen hatte – es wollten nur erst noch ein paar Schuljahre auf Hogwarts mit Leben gefüllt werden.

Ein weiterer Vorteil, wenn das Ende von Anfang an ziemlich klar ist: Der Beginn kann einfach als Gegenteil des anvisierten Ausgangs gestaltet werden. Nichts leichter als das, nicht wahr? : ) Na ja, es hilft jedenfalls, zu wissen, wo die Reise hinführen soll. In diesem Fall kann man auch rückwärts vorwärtskommen.

Ideen festhalten
Je tiefer du in die Welt deiner Geschichte eintauchst, umso mehr wird sie auch Teil deines Alltags. Du wirst vermutlich immer häufiger in den ungünstigsten Momenten von verrückten Ideen überfallen. Ein Notizbuch sollte deshalb zu deinem treuesten Gefährten werden und ein ganzes Arsenal an Kugelschreibern gleich mit. Im Auto, am Arbeitsplatz, unter dem Kopfkissen, wo auch immer.

Sprachnotizen ins Handy zu plappern ist ebenfalls eine einfache Möglichkeit, Gedankenfetzen festzuhalten. Ausgearbeitet werden sie zu einem anderen Zeitpunkt, Hauptsache, sie gehen nicht verloren.

WichtigPerfektionismus während der Rohfassung kann dir das literarische Genick brechen (ist auch mein Kryptonit) …

S C H R E I B. Über Grammatik, Rechtschreibung und all sowas kannst du dir noch früh genug Gedanken machen. Es genügt völlig, wenn du versucht, allzu grobe Logikfehler zu vermeiden, überarbeite später.

Wenn du an jedem Satz oder Absatz so lange herumfeilst, bis er dir perfekt erscheint, wirst du nicht weit kommen. Du wirst auf ewig nach einem immer besseren Wort suchen, in eine scheinbar spannendere Perspektive wechseln, etc.

Kleine Häppchen rutschen besser
„Ich schreibe einen Roman“ (auch eine ganze Serie wird gern angekündigt) klingt nach mächtig Arbeit, vor der man schon mal Schiss kriegen kann. „Ich schreibe diese Woche / in den kommenden vierzehn Tagen ein Kapitel meines Buches“ hört sich doch schon weniger bedrohlich an und wer sich gern täglich auf die Schulter klopfen möchte, könnte sich vornehmen: „Ich schreibe täglich 600 / 800 / 1000 / oderwasweißdennichwieviele Wörter.“

Das sollte zu schaffen sein, man hat ständig kleine Erfolgserlebnisse, der Glaube an sich selbst bleibt erhalten und man bewegt sich Stück für Stück auf sein Ziel zu.

Nochmal Rowlings Potter als Beispiel.
Band eins hat knapp über 81 000 Wörter.

Selbst wenn ich täglich nur 800 Wörter schreibe und die Hälfte wieder streiche, habe ich in etwas mehr als 200 Tagen meinen (mengenmäßig vergleichbaren) Roman fertig. Lass uns noch überarbeiten und machen und tun und … – kann sich ja jeder selbst ausrechnen.

Wie auch immer, zum eigenen Roman gibt es keinen anderen Weg, als sich auf seinen Hintern zu setzen, die Benachrichtigungstöne vonTwitter, Facebook und Co. stumm zu stellen und zu schreiben.
Wenn das vielleicht auch heißen mag, dass man morgens anderthalb Stunden eher aufsteht, nicht mitreden kann, wenn Kollegen über das vorabendliche Fernsehprogramm quatschen und der Freundeskreis doch sehr überschaubar bleibt.

Soweit dazu. Vielleicht war da ja was für dich mit bei. ; )

Ach, fast vergessen. Es soll immer wieder mal vorkommen, dass diverse Kapitel eines vielleicht sogar vielversprechenden Manuskripts (wenn nicht gar das ganze Buch) im Nirwana einer geschrotteten Festplatte abhandenkommen.

Mag ja sein, dass ausgerechnet du mit Zettel und Stift arbeitest, soll John Irving ja bis zum heutigen Tag auch noch tun, dann wird dir das wohl erspart bleiben, aber alle anderen, die vorzugsweise am Computer schreiben, sollten sich unbedingt angewöhnen, ihr literarisches Tagwerk auch außerhalb ihrer verwendeten Hardware zu sichern. Neben der Sicherung auf einem Stick schicke ich meine Sachen auch gern per Mail an mich selbst.

Bisschen übertrieben, meinst du? Hhm, mag sein, aber lieber bisschen neurotisch, als alle Arbeit vergebens. ; )

Nu denn, frohes Schreiben!
RMK

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