Danke, Corona! :)

~ Morgengedanken ~

Ja, Corona ist kacke und wie das aufgrund der aktuellen und anstehenden Lockerungen noch werden wird, darüber will ich grade gar nicht zu sehr nachdenken … Bin durchaus besorgt.

Aber ich stelle fest, dass mir die letzten Wochen enorm was gebracht und mich verändert haben. Zum Positiven, glaub ich.

Als die Ausgangsbeschränkungen im Raum standen, befand ich mich an einem Ort, der mir zwar auch vorher schon nicht angenehm war, aber die Vorstellung, durch Corona auf unbestimmte Zeit an diesem Ort gefangen zu sein, hat mich extrem motiviert und mich in Bewegung gesetzt. Ich erkannte, dass ich da, wo ich war, nicht länger bleiben konnte und etwas unternehmen musste – jetzt. Hab ich auch. Recht erfolgreich, wie ich finde.

Als der Kontakt zu anderen Menschen nicht mehr möglich war, konnte ich deutlich spüren, um wessen Gesellschaft es mir besonders leid tat und auf wen ich problemlos verzichten konnte. Für wen ich mich an Regeln halten und für wen ich sie brechen würde. Meine Prioritäten lagen mit einem Mal glasklar vor mir und ich war überrascht, wie sehr sie sich in kürzester Zeit verändert hatten.

Die „Ausrede Corona“ half mir, mich zu distanzieren und mein natürliches Bedürfnis nach möglichst wenig Menschen um mich herum als etwas Positives zu betrachten. Plötzlich hatte meine bislang selbstgewählte, „soziale Isolation“ sowas wie Heldenstatus und ich musste mich nicht mehr schlecht fühlen, weil ich kein Partytier mit Herdentrieb bin.

Nicht nur über mich hab ich Vieles gelernt, auch über andere Leute. Masken fielen und obwohl wir jetzt alle welche tragen müssen, sind manche Menschen sogar besser zu erkennen, als zuvor.

Menschen, die ich mitunter sehr geschätzt habe, sind über die Klippe gestürzt, andere, die ich gar nicht wirklich auf den Schirm hatte, ließen auf einmal ihre wahre Größe erkennen – und auch hier war ich überrascht, wie konträr meine neue Wahrnehmung meiner bisherigen Denkweise gegenüberstand.

Corona hat mir in den Arsch getreten, mich desillusioniert und zeitgleich die Augen geöffnet. Hat mir geholfen, zu erkennen, was mir so wirklich, wirklich wichtig ist und das empfinde ich als großes Geschenk.

Hab schon früher immer wieder mal überlegt, was ich wohl täte, wenn ich nur noch einen Tag zu leben hätte. Dieses unerwartete „Endzeit-Szenario“ hat geholfen, mir darüber nicht nur theoretisch, sondern sehr praktisch bewusst zu werden.

Ich kann heute leichter „Nein“ sagen und auch ein „Ja“ ist einfacher geworden. In kürzester Zeit kann uns alles Gewohnte genommen werden, was letzten Endes bleibt, sind wir selbst und unsere Hoffnungen, Träume, Wünsche.

Ich will viel weniger „gefallen“, jedenfalls nicht anderen Menschen – in erster Linie nur mir selbst und wenn das Ergebnis zufällig jemand anders ebenfalls gut findet, dann ist das schön, wenn nicht, isses aber auch zu verschmerzen. Würde auf Dauer sonst eh nix bringen, also was soll’s.

Merke ich auch deutlich an meinem Twitter-Verhalten. Mir war lange wichtig, „abzuliefern“, gemocht zu werden und irgendwo dazuzugehören. Hatte vielleicht mehr Bezug zum echten Leben, als mir bewusst war. Das ist rum. Fühle mich niemandem mehr verpflichtet und das ist enorm befreiend.

Auf Facebook war das schon immer anders, aber vermutlich bin ich gerade aufgrund der Entwicklungen der letzten Wochen wieder bisschen häufiger dort. Reale Menschen sind bedeutsamer geworden und ich hab nicht mehr das Bedürfnis, mich zu verstecken. Wer mit mir nicht kann, kann ja gehen. So what …

Irgendwie mag ich mich grade ganz gern und ich weiß nicht, wann ich das so schon mal empfunden, geschweige denn kommuniziert habe.

Wir kommen allein und wir gehen allein und sollten uns wohl alle Mühe geben, mit dem Mensch klarzukommen, der noch immer bei uns ist, wenn niemand anders mehr da ist.

Corona hat mir da tatsächlich bei geholfen. War zwar schon auf dem Weg, aber nur sehr langsam. Schade, dass es so oft erst größere Dramen braucht, um Veränderung zu ermöglichen.

Das bedeutet übrigens nicht, dass ich jetzt endgültig zum Eremit werde, nein, das Gegenteil ist der Fall. Meine Kontakte werden eher mehr, denn weniger (sehr überraschend … ☺️). Aber keine mehr, die man aufrecht erhält, „weil es sich halt so gehört“.

Wenn schon Kontakte, dann welche, die sich gegenseitig bereichern. Auf welche Weise auch immer („bereichern“ bitte nicht wörtlich nehmen, manche bereichert es auch, wenn sie dienen oder sich selbst verschenken dürfen – bedeutet wohl für jeden was anderes). Alles andere ist Verschwendung von Zeit und Energie.

Ein „Ich mag dich“ geht mir leichter von den Lippen, als früher – ein „Nimm’s mir nicht krumm, meine Zeit will ich aber lieber anders verbringen, als mit dir“ allerdings ebenfalls. Cutte unliebsame Dinge deutlich leichter. Hat was.

Jedenfalls hab ich mir selbst selten (oder vielleicht auch noch nie, keine Ahnung) so genügt, wie im Moment und ich glaube nicht, dass das ohne Corona so wäre.

Ist wohl was dran …
Love yourself first, and everything else falls into place.

Und da, wo die unerwartetsen Dinge grade so hinfallen, da gefallen sie mir eigentlich alle ganz gut. ☺️

Hoffe, auch für dich ist irgendwas Positives an dieser Situation zu finden. Ich wünsch’s dir. Und damit einen zauberhaften Tag allerseits.

Gehabt euch wohl. 🙋🏻‍♀️☀️

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