Dunkelwelten

10. November: Elfter Todestag von Robert Enke.

Seither hat sich viel getan, die Themen Depression und Suizid sind in den Medien und der Gesellschaft deutlich präsenter – aber noch immer viel zu häufig ein Tabu, über das man nicht gerne spricht.

Wir hatten`s hier erst die Tage drüber …

Nein. Wenn du das Gefühl hast, jemand sei seines Lebens müde und könnte suizidgefährdet sein, wirst du denjenigen nicht auf „dumme Gedanken“ bringen, nur, weil du ihn vielleicht auf deine Beobachtungen ansprichst. Du sollst es sogar – und demjenigen so die vielleicht einzige/letzte Chance geben, sich einem anderen Menschen zu öffnen.

Versucht hat er das im Vorfeld wahrscheinlich schon häufiger. Aber das tut er nicht selten auf sehr subtile Art und Weise. Wird (in deinen Augen) leichtsinniger, großzügiger, trennt sich problemlos von Dingen. Womöglich hat derjenige bis vor ner Weile auch ganz offen darüber gesprochen, dass ihm dieses Leben irgendwie bisschen zu viel ist – und schweigt nun. Wirkt irgendwie ausgeglichener. Nicht selten ein Trugschluss. Er hat sich weiter in sich zurückgezogen und trägt eine perfekt sitzende Maske aus vielleicht sogar überzeugender Fröhlichkeit. Eine gefährliche Phase, die das Umfeld in falscher Sicherheit wiegt.

Vielleicht bist du ja so mutig, denjenigen anzusprechen und wenn du Glück hast, redet er sogar mit dir. Verkack`s nicht, indem du ihm klarzumachen versuchst, dass doch jeder mal traurig ist, dass das ganz normal ist und man ab und an halt mal die Arschbacken zusammenkneifen muss – immerhin leben wir hier in Deutschland und nicht in Afrika, wo man sich zu zehnt, wenn nicht mehr, so ne keimverseuchte Baracke teilen muss, jeden Tag zig Kinder verhungern und all sowas.

Depressiven wird häufig Faulheit unterstellt, sie würden einfach nicht genug wollen. Wirklich Depressive haben nicht das Problem des nicht Wollens, sie können nicht. So gar nicht. Jedenfalls nicht das, wovon sie selbst eigentlich ganz genau wissen, dass es jetzt gut und vernünftig wäre, „es einfach“ zu tun. Da braucht es nicht auch noch dich, der dem Betroffenen ein noch schlechteres Gewissen beschert, als er es ob seiner offensichtlichen Unfähigkeit, die einfachsten Dinge des Lebens gebacken zu bekommen, ohnehin schon hat.

Biete eher dein Ohr an, als deinen Mund.

Ich bin davon überzeugt, dass niemand, wirklich niemand, der einen Suizidversuch unternommen oder seinen Suizid tatsächlich vollendet hat (Oh! Hallo Presse, man stirbt übrigens nicht an einem Suizid v e r s u c h, wäre schön, wenn Schreiberlinge, die sich mit so nem sensiblen Thema befassen, sich auch bisschen mit der Materie vertraut machen würden …) – wo war ich grade noch)? Ach ja. Ich glaube fest daran, dass niemand wirklich sterben möchte – aber er will die Situation/die Lebensumstände nicht länger ertragen müssen und sieht einfach keinen anderen Ausweg. Wüsste er einen, ich denke, er würde ihn gehen.

Bei ernsthaften Bedenken sollte man immer versuchen, den Betroffenen in eine psychiatrische Notfallambulanz zu begleiten oder im Zweifelsfall auch einfach nur zum Arzt/in eine Klinik. Im besten Fall werden dort entsprechende Maßnahmen getroffen.

Depressionen können zig Ursachen haben, die Folge einer anderen Primärerkrankung oder eines aus der Bahn geratenen Hormonhaushalts sein – es muss nicht immer die tragische Lebensgeschichte dahinterstecken und für gewöhnlich sind sie recht gut behandelbar. Geht halt nicht über Nacht.

Da fällt mir ein : Wusstest du, dass die gefährlichste Zeit die ersten Wochen nach Medikationsbeginn sind? Die verschriebenen Medikamente wirken für gewöhnlich zunächst antriebsteigernd und erst sehr viel später stimmungsaufhellend.

Ach. Solltest du deine Depressionen mit einem täglichen Spaziergang geheilt haben, viel Wasser trinken und dem regelmäßigen Konsum irgendeiner Comedyshow, dann hattest du vielleicht eine kurze depressive Verstimmung, aber ganz sicher keine wirkliche, depressive Phase. Gestehe anderen zu, dass sie mehr brauchen, als das, was dir geholfen hat.


Zum Schluss mal noch ein paar Kontaktmöglichkeiten

Telefonseelsorge

0800-111 0 111 oder 0800-111 0 222 (rund um die Uhr)
Speziell für Kinder und Jugendliche: 0800-111 0 333
(Montag bis Samstag, 14 – 20 Uhr)
Österreich: 142
Schweiz: 143
Du kannst dir auch einen Online-Account anlegen und die Mailberatung nutzen

Die Caritas bietet ebenfalls schriftlichen Austausch an.

Notfallnummern
Nach Bundesländern sortierte Liste mit Nummern, die bei Depressionen oder anderen psychischen Notfällen zum richtigen Ansprechpartner führen.


Sich Hilfe zu holen ist kein Zeichen von Schwäche!
Es ist ein Zeichen, dass du stark und mutig genug bist, dich den Herausforderungen deines Lebens zu stellen.

Da gehört was dazu.

Alles Gute … <3

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s